Imkerverein Ost-Uckermark e. V.
Imkerverein Ost-Uckermark e. V.

Monatsbetrachtung April

Autor: Guido Eich

Der April ist in der Regel sehr launisch, von sommerlichen Temperaturen und Schnee fall kann alles dabei sein. Ein gut mit Futter versorgtes Volk wird ihn locker überstehen. In der Regel reichen vier voll verdeckelte Waben für ein zweiräumiges Volk, um den Anschluss an die Tracht zu gewinnen. Doch woher weiß ich, dass meine Völker noch genügend Futter haben? - Natürlich durch Hebekontrollen und öffnen der Beuten. „Öffne kein Volk vor der Stachelbeerblüte, sonst kommt es zu Königinnenverlusten und Völkerschäden!“ bekommt man oft zu hören. Ich selber kontrolliere bei zu leichten Beuten den Futterstand durch Nachsehen: „Es sind schon viele Völker verhungert, aber noch keines erfroren“. Bei Bedarf hänge ich eine volle Wabe (vom gut versorgten Nachbarvolk) an den Bienensitz, dieses Futter reicht zwei Wochen. Beim nächsten Standbesuch gibt man noch zwei Futterwaben aus dem Vorratslager, damit ist das Überleben des Volkes gesichert. Zu Königinnen- oder Völkerverlusten durch Völkerkontrollen vor der Stachelbeerblüte ist es bei meinen Bienenvölkern noch nie gekommen.

Frühjahrsdurchsicht, Wabenerneuerung, Erweiterung und Honigraumfreigabe

Im April wachsen die Völker und müssen erweitert werden. An warmen Flugtagen (>12°C) mache ich die erste große Revision. Hierbei entnehme ich alle Mäusegitter (Fluglochkeile), verschimmelten und unbesetzten Waben. Die Lücken werden mit Mittelwänden und vor allen Dingen mit einem oder zwei Drohnenrahmen (je nach Varroa Parasitierungsgrad) gefüllt. Hierbei gehört der Drohnenbaurahmen nicht als Deckwabe, sondern in Kontakt zum Brutnest eingehängt, dann wird er auch zügig ins Brutnest integriert, ausgebaut, bestiftet und verdeckelt. Auch schwächere Völker bekommen den Bau rahmen ans Brutnest. Bei der nächsten Revision muss er dann geerntet werden, wenn er ganz oder teilverdeckelt ist, das hemmt die Varroaentwicklung enorm (biotechnische Behandlungsmethode). Der erste (zur Salweide eingehängte) und rechtzeitig geerntete Baurahmen ist der wichtigste, er hat den größten Effekt auf die Reduktion der Milben und hält die Entwicklungskurve bis in den Herbst flach.Bei Futter überversorgten Völkern (mehr als fünf verdeckelte Waben am Anfang des Monats) entnehme ich die überschüssigen und hänge Mittelwände ein, dabei muss das Volk immer Kontakt zum Futter behalten. Ein Aufreißen von Futterkränzen, Verschränken der Brut oder eine Reizfütterung mache ich nicht, da es keinen Effekt auf die Volksentwicklung hat und zudem sehr unnatürlich ist. Futterausgleich: Unterversorgte Völker bekommen volle Waben aus den Nachbarvölkern, damit der Trachtanschluss garantiert wird 

Besonders bei der ersten Völkerrevision, aber auch sonst im Jahr, lässt sich Kittharz ernten. Im Frühjahr kann man mit der Ernte des Propolis den Wabenbau beweglicher machen. Das geerntete Kittharz sammle ich in einer verschließbaren Box bis zur Verwendung. Wie man Propolis aufreinigt und sinnvoll weiterverarbeiten kann, berichte ich in den folgenden Monatsanweisungen.  Bienen brauchen Wasser zum Pflegen der offenen Brut, sehr beliebt in Imkerkreisen ist daher das Aufstellen von Bienentränken. Achtung: Eine fatale Variante, in Sachen Bienengesundheit, ist zum Beispiel eine Regentonne die am Bienenhausdach angeschlossen wird, und mit Schwimmermaterial (Korken, Wasserlinsen) gegen das Ertrinken der Wassersammlerinnen bestückt wird. Die Tränke wird in der Regel gut angenommen und der Imker hat ein erquickendes Gefühl seinen Lieblingen etwas Gutes getan zu haben. Dabei hat er eines nicht beachtet: Bienen haben bei Tagesbeginn oder nach längeren Flugpausen (Regen, kaltes Wetter, starker Wind) die Eigenart nach dem Starten sich in einer spiralförmigen Flugbahn empor zu schrauben, hierbei koten sie ab, um schnell Höhe zu gewinnen. Diese Hinterlassenschaften inklusive Darmerreger landen dann auf dem Bienenhausdach und werden beim nächsten Regenereignis in die Wassertonne geschwemmt. Eine falsch aufgestellte Bienentränke (ohne Überdachung und mit stehendem Wasser) fördert Darmerkrankungen (Nosema, Amöben) und schwächt die Völker. Meine Bienen bekommen daher keine Tränke und sind gezwungen dezentrale, natürliche Wasserquellen zu nutzen, so bleiben sie gesund. Beobachtungstipp: Falls Sie viele Bienen beim Wasserholen an aufgestellten oder natürlichen Wasserreservoiren beobachten, so gibt es keine Tracht! Sehen Sie dagegen kaum Bienen so stillen die Völker den größten Teil ihres Wasserbedarfs am eingetragenen Nektar bzw. Honigtaues, es herrscht Volltracht.  

Bienengesundheit

Jetzt im April kann es nach sehr guten Pollentrachten, begleitet von großem Bruteinschlag, zu dem Phänomen der Maikrankheit kommen. Dieses Phänomen ist im eigentlichen Sinne keine Erkrankung und daher auch nicht ansteckend.  - Maikrankheit: Nach einem größeren Bruteinschlag können die Bienen witterungsbedingt (kalt, nass,) kein Wasser und keinen Frischpollen eintragen. Sie greifen auf die eingelagerten Pollen zurück und bereiten daraus Futtersaft für die Larven. Zum Futtersaftbereiten benötigen die Ammenbienen neben Pollen noch Wasser, fehlt es dann trocknet ihr Körper aus (Exikose), dem Kot wird soviel Wasser entzogen, stark eingedickt und ist dann nur noch als zähes Würstchen abzukoten, im weiteren Verlauf der Austrocknung, gar nicht mehr. - Verhalten der Bienen: Flugunfähige Krabbler und Hüpfer, mit stark erweitertem Abdomen, das Aussehen des Hinterleibes erinnert etwas an die gestreifte Zeichnung der Zebras. - Diagnose: Würstchenkot. Drückt man einer toten Hüpferbiene auf den Hinterleib, gibt sie einen steifen Kotstrang ab.

Abhilfe schaffen

Durch das Verfüttern einer handwarmen, dünnen 1:1 Zuckerlösung. Bekommen die Völker Wasser und können wieder abkoten. Setzt die Tracht wieder ein, so ist die Maikrankheit von alleine, schnell vorbei – es kommt zur Selbstheilung.

Was ist im April an den Völkern zu Tun?

Honigraumfreigabe – 70% Regel beachten Ich gebe den Honigraum oder erweitere Völker auf die zweite Zarge, wenn 70% des Raumvolumens mit Bienen besetzt sind und insgesamt pro Zarge mindestens drei verdeckelte Brutwaben zu finden sind. Drei geschlüpfte Waben füllen nach Schlupf eine Zarge voll mit Bienen. Auch bei kaltem Wetter muss daher erweitert werden, will man dem Schwärmen vorbeugen. Der Imker der wartet bis die Völker alle Wabengassen besetzen und Bienenmassen unter dem Volk durchhängen, kann schon einmal die Leiter checken zum Schwärme fangen. Der Honigraum wird bei mir über Absperrgitter aufgesetzt, es wird keine Brut umgehängt. Erweitert man früh (siehe 70% Regel) sind die Futterkränze über der Brut noch sehr schmal, die Bienen sehen sie nicht als Barriere an und überschreiten sie gerne bei Raumbedarf. Anders sieht dies bei zu später Erweiterung aus: Die Futterkränze sind mehr als zwei Finger breit, für das Volk kommt über dieser Barriere kein zusätzlicher Raum mehr, sie bleiben im alten Brutbereich. Der frisch eingetragene Nektar bleibt im Brutnest, es verhonigt, die Königin wird eingeschränkt in ihrer Eilage, der Schwarmtrieb wird ernorm gefördert, das Volk hängt durch. Keine wirkliche Abhilfe schafft der Imker, wenn er Brut umhängt um die Bienen über die Barriere zu zwingen. Eine unnatürliche und überflüssige Aktion! Mit dem Umhängen geraten auch Futterkränze in den Honigraum. Falls bei dieser Aktion eine Verfälschung des neuen Honigs mit Winterfutter ausbleibt, macht der schon eingetragene, in Kandierung befindliche Frischhonig (Krokus, Salweide etc.) Folgeprobleme: Bei der Cremehonigaufbereitung der neuen Ernte bekommt man die wild kandierten Kristalle der Futterkranzhonige nicht unter Kontrolle. Sie bilden auf der Zunge fühlbare, etwas kiesige Kristalle im cremig gerührten neuen Rapshonig.

Keine Sandwichbildung beim Ausstatten des Honigraumes!

Ausgestattet wird der Honigraum mittig mit einem dreier Block ausgebauter Waben, der Rest sind Mittelwände. Nach dem Besiedeln und Anfangen vom Bauen, hänge ich dann jeweils eine ausgebaute Wabe als Deckwabe, ansonsten würde die letzte Mittelwand an der Kastenwand angebaut und zerreißt, wenn sie zur Wabe ausgezogen wird. Stattet man den Honigraum in Sandwichmanier aus: Wabe - Mittelwand – Wabe, so werden die ausgebauten Waben zuerst voll getragen und sogar noch zu Dickwaben erweitert. Folge davon ist, dass die Mittelwände nicht zu vollständigen Waben ausgebaut und voll getragen werden und dass das Brutnest durch dort abgelagerten Nektar verhonigt. Tipp: Statten Sie die Honigräume nicht mit angärigen Waben aus, die mit diesen Waben eingebrachten osmophilen Hefezellen verbreiten sich im Volk und werden in die neue Ernte eingeschwemmt, das bringt den neuen Honig im Lager in Gärgefahr!

Nicht zuletzt – Hygiene am Bienenstand

Im Frühjahr werden Schwächlinge nicht gepäppelt, sondern untereinander vereinigt bzw. abgetötet (bei schlechtem Gesundheitsstatus - Nosema, Amöben) oder abgefegt. Eine Rettung gesunder Schwächlinge habe ich bereits im März beschrieben. Tote Völker gehören umgehend entsorgt, durch Reinigen der Beuten und Einschmelzen des gesamten (!) Wabenbaus. Wer Futterwaben aus toten Völkern zurückstellt zur Ablegerversorgung, impft den neuen Ableger dann mit alten Krankheiten an. Nutzen Sie die Zeit Ihren Lieblingen das zu geben, was sie brauchen: Futter, Raum und neue Waben. Freuen Sie sich an der Vitalität, am Flug und Gebrumm der Bienen – machen Sie es ihnen nach: Die Sonne und die Blütenpracht des Frühlings genießen.

 

 

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