Imkerverein Ost-Uckermark e. V.
Imkerverein Ost-Uckermark e. V.

Monatsbetrachtung Juli

Autor: Guido Eich

Von Linde bis Läppertracht – Schlussakkord

Jetzt im Juli fließen die Nektar- und Pollenquellen nur noch spärlich, die Aktivitäten von Imkern und Bienen gehen merklich zurück. Dem gewissenhaften Imker stellen sich zwangsläufige Fragen:

  • Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abräumen der Wirtschaftsvölker gekommen?
  • Lohnt sich ein weiteres Warten auf Honig?
  • Wann ist Trachtschluss? - Wann muss ich mit dem Füttern und Behandeln der Bienenvölker anfangen?
  • Zuerst füttern und dann behandeln oder umgekehrt?
  • Mit was kommt man zu dieser Jahreszeit am besten den Varroen bei?

Den nachlässigen Imker berühren solche Fragen nicht: Er wartet auf weiteren Honig, geht erst einmal in Urlaub (nach all der Arbeit an den Bienen).  Logik für Selbstbetrüger: Nach dem Urlaub ist der Honig wenigstens reif genug zum Schleudern und dann hat man ja den ganzen Herbst noch Zeit aufzufüttern. Trachtschluss ist in den meisten Gegenden, wenn das Weidenröschchen (Epilobium) erblüht, ausgenommen sind Spättrachtgebiet (Heidetracht). Im Mittel der Jahre liegt dieser Zeitpunkt um den 15. Juli. An den Völkern erkennt man dies schnell an der Drohnenschlacht und an langen Bienenbärten vor dem Flugloch. Der gewissenhafte Imker wartet nicht so lange bis Drohnen und Bienenbärte verschwunden sind, sondern räumt in der Läppertracht die Honigräume ab, dann bleibt Räuberei auch ein untergeordnetes Thema. Er prüft mit einer Gemülleinlage den natürlichen Milbenfall seiner Völker:

  • weniger als 5 Milben pro Tag: Es besteht keine unmittelbare Gefahr für die Völker.
  • mehr als 10 Milben pro Tag: Das Volk sollte bald behandelt werden. Eventuell muss auf eine weitere Tracht verzichtet werden.
  • mehr als 30 Milben pro Tag: Die Schadschwelle ist überschritten, das Volk ist nicht mehr zu retten.
  • Völker beobachten - Woran kann man an den Völkern hohen Varroabefall erkennen?

Frühzeichen für einen hohen Varroabefall sind:

  • Kothaufen in den Wabenzellen nach Schlupf der Bienen oder aufbrechen des Drohnenbaues
  • Auftreten von Zwergbienen (kurzer Hinterleib):
  • Eingemauerte Varroen in den Zelldeckeln der Brut, lückiger Baurahmen, mit angefressenen Puppen (Hygieneverhalten – Brutkannibalismus)

Pflege und Bearbeitung

Jungvölker dürfen jetzt nicht vernachlässigt werden, ich füttere sie mit Futterteig oder gebe einen flüssigen Futterstoß, die stärksten bekommen den zweiten Brutraum. Wer will kann seine Völkchen, jetzt in der Sommerwärme mit Thymol Präparaten behandeln. Thymol wirkt gut in einräumigen Völkern bei Temperaturen um 20°C, es wirkt zu langsam bei hoch parasitierten Völkern und bei niedrigen Temperaturen und/oder Wind. Ich persönlich wende keine thymolhaltigen Präparate an, wegen der starken Geruchsbelästigung und der erhöhten Räubereigefahr. Hat das Thymol gute Wirkungsgrade, dann verweigern die Völkchen das angebotene Futter.

Räubereigefahr - Vorsicht bei der Honigernte

Jetzt muss man bei der letzten Honig - ernte, mehr noch als im Frühjahr Räuberei vermeiden. Am besten gelingt die Honigernte mit eingelegten Bienenfluchten, stehen sie nicht zur Verfügung, muss man abfegen. Ich persönlich mache beides, beim Abfegen wende ich aber einen Trick an: Am frühen Morgen werden alle Fluglöcher des abzuerntenden Standes verschlossen (Kreppklebeband, Schaumstoffstreifen etc.). Dann entnimmt man alle Honigwaben des Erntevolkes mit ansitzenden Bienen und verschließt die Beute. Die Honigwabenbienen fegt man in einen Hobbock, die Waben werden bienensicher verstaut. Die Hobbockbienen kippt man zurück ins Volk oder teilt sie in Kunstschwärme (1,5 kg Gewicht) auf. Abgeflogene Bienen kehren heim zur Beute und finden das Flugloch verschlossen, sie ketten sich auf. Bei den nächsten Völkern verfährt man ebenso. Ist kein benachbarter Bienenstand in nächster Nähe, so kommt es nicht zur Räuberei, denn hat eine Biene am Honig des Nachbarvolkes genascht, fliegt sie heim und will melden, nur das Flugloch ist zu und keine Meldung und Rekrutierung weiterer Sammelbienen möglich. Hat man den Stand abgeerntet und den Honig verstaut, öffnet man alle(!) Fluglöcher: Ein kurzer Flugtumult und alles ist wieder beruhigt, so kann man Honig ohne Stiche und Räuberei ernten - auch ohne Bienenflucht. Dieses Verfahren funktioniert natürlich nur reibungslos, wenn kein Nachbarimker in unmittelbarer Nähe sitzt! Erntet der Imker die Honigüberschüsse des Sommers, so darf er selbst nicht zum Räuber werden! - Eine Futtergarantie von zwei verdeckelten Waben braucht das Bienenvolk, darunter hungert es bereits. Seine Reaktion ist dann Brutkannibalismus und Ausräumen von Brut. Wer starke Wintervölker haben will, darf seine Völker nicht lange stehen lassen, sondern muss umgehend nach der letzten Ernte entmilben und füttern! Tipp: Wir haben die Überwinterungsverluste jetzt im Spätsommer in der Hand: „Lieber halb so viele einwintern und alle auswintern als alle einwintern und nur halb so viele auswintern. Unbefriedigende Völker (Schwächlinge oder Stecher) vor der Fütterung auflösen, durch Abfegen oder Vereinigen!

Honigpflege

Sommerhonige kandieren in der Regel später als Frühtrachthonige, daher lasse ich sie meist eine Woche ohne zu rühren stehen. In dieser Zeit schäumt man sie mehrmals ab (siehe auch Monatsbetrachtung Juni). Trübt der Honig wird er zweimal täglich für drei Minuten gerührt. Das kann zwei Wochen in Anspruch nehmen.  Wem das zu lange dauert der kann auch nach der Schleuderung, wie gewohnt, abschäumen und den Honig mit einem feincremigen Frühtrachthonig animpfen.  Dazu erwärmt man den Cremehonig bis zum fließen, die cremige Konsistenz muss aber erhalten bleiben! Das aufbereitete Gemenge verdoppelt man im Volumen mit eingerührtem frischem Schleuderhonig. Diese Masse (1-10% Gewichtanteile des Sommerhonigs) verteilt man, durch Einrühren, gleichmäßig im Schleudergut, bis es perlmutartig schimmert. Jetzt kann man den angeimpften Honig kühl stellen (ca. 15°C), er kandiert fein aus, ohne weiteres Rühren.

Neue Waben in alte Völker

Steht der Schleuderraum voll, mit schönen ausgebauten Waben, so kommt der ein oder andere Imker ins Grübeln, wie man diese in die Völker bringt, im Tausch gegen alte Waben. Hierbei herrscht oft die Unsitte dunkle, mit Brut besetzte Waben zu entnehmen und die Lücken im Brutnest durch honigfeuchte Jungfernwaben zu ergänzen. Die dunklen Brutwaben werden in leere Honigräume auf Lücke gehängt, um sie nach dem Schlupf einzuschmelzen. Durch das Einhängen der unbebrüteten Wabe, werden die Ordnung und der Aufbau des Brutnestes massiv gestört. Die unbebrüteten Waben werden vom Volk nicht mehr angenommen und auch nicht voll Winterfutter getragen. Die jungen Waben zeigen eine Propolisbeschichtung auf den Zellrändern. Beim Warmbauimker hat das fatale Folgen: Kommt die Winterkugel bei der Suche nach Futteranschluss an eine solche Wabe, so wechselt es nicht auf die dahinter liegenden Futterwaben und verhungert, trotz ausreichendem Vorrat. Beim Kaltbauimker teilt die junge Wabe das Volk, die Winterkugel umfließt sie regelrecht. Wird es nun sehr kalt, so kann ein Teil vom Futter abreißen und verhungern, der Imker sieht sie im Frühjahr als Haufen toter Bienen, mit oder ohne Königin, das Restvolk lebt noch. Tipp: Das Brutnest bleibt unberührt beim Waben erneuern. Wie geht das? – Ganz einfach: Nach der letzten Schleuderung setzt man am Abend den Honigraum mit den honigfeuchten Jungfernwaben wieder auf. Darüber kommt die Futterzarge mit dem Winterfutter. Die Bienen werden es in der Nacht in die vermeintlichen Honigwaben eintragen, auch die folgenden Fütterungen lagern sie in die neue Zarge. Im Gegenzug entnimmt man dem Volk in den folgenden Wochen den untersten Raum (warm anziehen, das lassen sich die Bienen nicht entgehen) und schmelzt sämtliche dunkle Waben ein. Der Raum wird im Laufe des Winters wieder mit Mittelwänden bestückt und dient im folgenden Frühjahr wieder als Honigraum. Im kommenden Herbst wiederholt sich das Ganze wieder. So hat man keine bebrüteten Vorratswaben im Winterlager, aber alle neuen Waben im Volk. Ein Wachsmottenschutz erübrigt sich und das Imkern ohne Rückstände wird perfekter. Weitere Vorteile dieser Methode: Die Winterkugel zehrt sich ohne Probleme in den unbebrüteten Futterbereich ein und bebrütet diesen im Frühjahr. Keine Wabe ist älter als zwei Jahre im Bienenvolk. Dunkle Waben verlassen das Volk „über das Flugloch“ und nicht über den Honigraum.

Auslecken lassen von Deckelwachs u. Honigwaben

Oft herrscht die Unsitte Deckelwachs, und/oder Abschäumhonig dem Winterfutter beizumischen, hiervon verspricht man sich eine Aufbesserung des Futters durch Honiganteile. Das Gegenteil ist oft der Fall: Krankheiten einzelner Völker werden dabei auf den gesamten Bestand überimpft. Beim Auslecken lassen von Waben im Freien, kommt es zu verstärkten Kämpfen von Sammelbienen und meist zur Räuberei. Dabei ist es so einfach Deckelwachs und/oder Honigwaben trocken lecken zu lassen. Hierzu benutzt man nur wenige Völker, die alle an einem kleinen Standort stehen und setzt ihnen abends zusätzlich einen Honigraum und eine leere (Futter)zarge auf. In die Futterzarge kann das Entdecklungswachs auf Butterbrotpapier oder Folie gegeben werden, ist die Schicht nicht zu dick, wird es meist in einer Nacht trocken geleckt. Das Wachs kann bequem mit dem Papier oder Folie entnommen werden. Auf die gleiche Art lässt man, bei Bedarf die geschleuderten Honigzargen über Nacht (Räuberei), oberhalb einer Leerzarge (Futterzarge) auslecken. Wichtig beim Trockenlecken lassen ist, dass es in (!) der Räubereizeit geschieht. Dann tragen die Bienen panikartig das weit vom Brutnest gelagerte Restfutter zum Brutnest um, die aufgesetzten leeren Honigwaben werden perfekt gesäubert. Die trockenen Waben können im Winterlager nicht mehr gärig werden und im neuen Jahr den frisch eingetragenen Nektar mit Hefen animpfen. Macht man das „Auslecken lassen“ zu spät, in der Zeit nach dem Auffüttern, tragen die Bienen den Honig zu kleinen Inseln auf den leeren Honigwaben zusammen und nicht nach unten zum Honigraum/Brutnest. Die Waben werden nicht richtig sauber geleckt und haben später Gärecken. Die mit Leckhonig angetragenen Honigräume können entnommen und leer geschleudert werden. Ich persönlich lasse Waben trocken lecken, wasche aber das Deckelwachs aus und mache Met aus der Honiglösung. Wie man Met oder auch Bärenfang herstellen kann, folgt in den kommenden Monatsbetrachtungen. Tipp für erfahrene Imker: Spätvermehrung von Bienen - völkern bei der Honigernte durch Sauglingsbildung

21 Tage vor der Honigernte ein Pflegevolk bilden

Bei der Durchsicht der Völker wird ein gesundes Volk mit vielen Jungbienen als Pflegevolk ausgesucht. Dabei wird zwischen jeder Zarge ein Absperrgitter eingelegt. Nach 9 Tagen wird die Zarge mit der offenen Brut + Königin mitsamt dem Honigraum neben dem ursprünglichen Platz auf einen neuen Boden gestellt. Die Zarge mit der verdeckelten Brut verbleibt am alten Platz. In dieser Zarge müssen wieder alle vorhandenen Zellen ausgebrochen werden. Erscheint das Pflegevolk zu schwach, werden von den offenen Brutwaben noch Jungbienen ohne Königin dazugekehrt. Die Wabengassen müssen stark mit Bienen gefüllt sein. In der Mitten der Beute wird eine Lücke für den Zuchtrahmen belassen. Nach 2-3 Stunden Weisellosigkeit kann der Zuchtstoff eingehängt werden. Spätestens 10 Tage nach Einhängen des Zuchtstoffs müssen die Zellen durch Schlüpfkäfige geschützt werden. Versäumt man diesen Termin und es kann eine Königin schlüpfen, werden alle anderen Zellen von ihr ausgebissen. Um ein Verbauen der Zellen bei starker Tracht zu verhindern, können diese auch schon nach 5 Tagen (nach kompletter Verdeckelung) verschult und an den bisherigen Platz gehängt werden. Das Pflegevolk erfüllt die Funktion eines Brutschrankes, bis die Königinnen schlüpfen. Nach dem Schlupf und der Verwertung der Königinnen setzt man das Volk wieder zusammen, erntet den Honig und behandelt es wie alle anderen Völker des Standes. Nach dem Schlupf werden die Königinnen gezeichnet, gekäfigt und zwischen die Waben der ausgeschleuderten Honigräume gegeben. Jetzt setzt man die Honigräume für eine Stunde über Absperrgitter auf die abgeernteten Völker und saugt Bienen ab. Dann werden die mit Bienen besetzten Honigräume abgenommen, bekommen ein Bodenbrett und einen Deckel und werden für 24 Stunden bei guter Lüftung dunkel gestellt. Nach der Kellerhaft kommen sie auf einen neuen Standort, am besten außerhalb des alten Flugradius, jetzt muss man ihnen noch Futter geben und die Königinnen unter Zuckerteigverschluss frei fressen lassen. Keine Angst: Es sind noch genügend Drohnen in der Gegend zur Paarung, wenn sie diese Aktion noch im Juli durchziehen. Nach zehn Tagen sind die Königinnen begattet und die Völkchen können mit Oxalsäure oder Perizin entmilbt werden. Die so erzeugten Jungvölker können gut als Königinnenreserve eingewintert, zur Umweiselung unbefriedigender Wirtschaftsvölker oder zur Aufnahme der abgefegten und entmilbten Altbienen aus den aufgelösten Wirtschaftsvölkern benutzt werden.

Winterfutter

Wie viel und Was soll man füttern? Selber mischen oder fertiges Futter kaufen? Die Antworten finden Sie in der Monatsbetrachtung August. Viel Spaß auf der Zielgeraden des Imkerjahres

wünscht Ihr Fachberater

Guido Eich

Bienenzuchtberater

LAVES Bieneninstitut Celle Postfach 3949 26029 Oldenburg

 

 

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