Imkerverein Ost-Uckermark e. V.
Imkerverein Ost-Uckermark e. V.

Monatsbetrachtung Mai

Autor: Guido Eich

Ende April Anfang Mai ist der Tisch für Blütenbesucher reich gedeckt - Löwenzahn, Kirschen, Apfelbäume und die ersten Rapsfelder zeigen ihre Pracht. Die Nektar- und Pollenquellen sprudeln bei gutem Flugwetter reichlich, spätester Zeitpunkt zum Aufsetzen des Honigraumes ist jetzt zur Kirschblüte. Die Ausstattung der Honigräume habe ich bereits in der Aprilausgabe beschrieben.

Letzte Erweiterung und Schwarmverhinderung

Ich beobachte meine Völker sehr viel am Flugloch und an den Wabenkanten, auch der Pollenkranz (Bienenbrot) wird zur Diagnose des Volkszustandes herangezogen. Wer zügig am Flugloch ein- und ausfliegt hat noch Platz und meist eine junge Königin, Völker mit viel Pollenflug pflegen große offene Brutflächen. Fleißiges Schneiden von Drohnenbau hält die Völker vom Schwärmen ab und dezimiert gewaltig die Varroenzahl im Wirtschaftsvolk. Bei Völkerkontrollen achte ich besonders auf die Spielnäpfchen und den Baurahmen. Sie sind das Schwarm- und Schröpfbarometer des Volkes. Wer will kann jetzt auch einen zweiten Baurahmen geben, beide werden abwechselnd bei Kontrollen (bereits bei Teildecklung) ausgeschnitten. Vor Wanderungen schneide ich beide aus, dann kann kein Bau bei Erschütterungen abbrechen und die Bienen haben einen zusätzlichen Trommelraum beim Transport. Sehr starke Völker bekommen im Laufe des Monats einen zweiten Honigraum, den ich unter den ersten einschiebe, das hält sie im Sammel- und Baueifer.

Wanderung - Ernten von Sortenhonigen

Für den Berufsimker unerlässlich, für den Hobbyimker eine Option, will man Sortenhonig haben, ist das Wandern mit Bienenvölkern unerlässlich. Doch eine Wanderung mit Bienen will wohl geplant sein: Ein rechtzeitiges Einholen von Gesundheitszeugnis und Wandergenehmigung sichern das Vorhaben, die Genehmigung des Grundstückbesitzers zum Aufstellen der Völker am Wanderplatz ist natürlich ein unbedingtes muss. Hier noch eine kleine Checkliste zur Wanderung:

Material „Handgepäck“ 

  • in Folie verpackt oder laminiert: Kopie der amtstierärztlichen Bescheinigung und/oder genehmigte Standkarte
  • Schild mit Name, Anschrift und Telefonnummer, Anzahl der aufgestellten Völker
  • Taschenlampe (Batterien in einem guten Zustand?)
  • Wassersprüher, Bienen-Abwehrspray (Fabi Spray)
  • Zwei Feuerzeuge
  • trockenes Rauch- und Anzündmaterial in wasserdichter Dose
  • Smoker,
  • Besen, Stockmeißel, Ersatzschleier, zweite Garnitur Schutzkleidung
  • Stopfmaterialien für Bienenkästen:
  1. Schaumstoffstreifen
  2. Breites Kreppklebeband
  3. Eventuell Zeitungspapier
  • Ersatzgurte
  • Luftpumpe
  • Ersatzkleidung
  • Verbandszeug
  • Aufgeladenes Handy
  • Getränke und kleine Zwischenmahlzeit

Material „Transport“

  • Ersatzrad für PKW und Anhänger (Luftdruck geprüft?)
  • Sackkarre (Luftdruck geprüft?)
  • Wanderböcke und Unterlegkeile zum Nivellieren
  • Sense
  • große Zurrgurte
  • Auffahrhilfen für den Anhänger

TIPP:

Wanderung – Fairness ist Ehrensache!

  • Wanderwart des Zielgebietes benachrichtigen
  • Nähe anderer, (ortsansässiger) Bienenstände meiden!
  • Bienendichte beachten!
  • Seuchenverordnung einhalten!
  • Ersatzstandorte mit einplanen!
  • Kleine Honiggaben erleichtern das Wiederkommen beim nächsten Mal
  • Adressen und Telefonnummern der Nachbar(wander)imker notieren!
  • Kontakte pflegen!
  • Streit vermeiden!!
  • Völker rechtzeitig abwandern (Trachtschluss beachten)
  • Völker nie hungern lassen, Räuberei!!!
  • Völker engmaschig betreuen

Wandern ist eine beschwerliche Arbeit, der Lohn dafür: man kann dabei viel erleben und die Möglichkeit verschiedene Honigsorten anbieten zu können, steigert den Absatz. Hat man alles richtig gemacht und spielt das Wetter mit, wird der Honigraum zügig ausgebaut, voll Honig getragen und teils verdeckelt. Jetzt plagen den Imker folgende Fragen:

Nochmals erweitern?

Bei einer Massentracht (Raps, Obst, Löwenzahn etc.) schaffen die Bienen es, innerhalb einer Woche, den Honigraum zu füllen. Werden die ersten Waben weiß verdeckelt und sind die benachbarten Waben mit Honig angetragen, kann man das Erweitern durch Unterschieben eines zweiten Honigraumes (ausgestattet: s.o.) unter den ersten realisieren. Bleibt das Wetter schön, nehmen die Bienen ihn zügig an und tragen Honig ein, ein Zeichen dass man die richtige Entscheidung getroffen hat. Ist kaum oder kein Honig eingetragen worden, war die Erweiterung eine Fehlentscheidung – der zusätzliche Honigraum wird bei der nächsten Durchsicht wieder entfernt, damit der Inhalt des ersten Honigraumes besser reift.

Das Schwärmen ist der Bienen Lust

Gesunde Bienenvölker wachsen und gedeihen, erweitert der Imker regelmäßig und haben die Völker Tracht, so kommt kaum Schwarmstimmung auf. Nur gesunde Bienenvölker wollen schwärmen, müssen es aber nicht. Viele Imker erkennen den Schwarmtrieb der Völker erst an gedeckelten Schwarmzellen und versuchen sich dann über Zellen brechen oder Zwischenablegerbildung über die Schwarmzeit zu retten - meist vergeblich. Nach zwei bis drei „Schwarmverhinderungseinsätzen“ hängt das 1m lange Ergebnis beim Nachbarn am Baum, peinlich, peinlich - Hohn und Spott der eigenen Familie gibt es gratis dazu. Zirkusreife Einlagen beim Einfangen der Schwärme erfreuen den Zuschauer und ärgern die Krankenversicherung.

Wie kann ich frühzeitig die Schwarmlust erkennen?

Schwarmbarometer - Der Baurahmen zeigt die Schwarmlust der Bienen:

  • wird zügig und in einer Baulinie gebaut, herrscht Harmonie
  • zerfällt die Baufront und wird girlandenartig (mehrere Bautrupps sind am Werk), so kommt Schwarmstimmung auf
  • die Baukante ist nicht mehr scharf, sondern wird abgerundet.
  • Bienen lungern in Teppichen am Flugloch
  • Kittharz auf den Zellrändern zeigen Baustopp an
  • parallel dazu werden die Spielnäpfchen poliert, später bestiftet und mit Wachs beflockt
  • das Bienenbrot fängt an zu glänzen (mit Nektar von den Bienen für die kommende Brutpause konserviert)
  • im weiteren Verlauf werden die Spielnäpfchen zu Schwarmzellen und am Baurahmen wird das Bauen eingestellt.
  • Der Flugbetrieb ist nahezu eingestellt, auch an schönen Tagen
  • Abends vor dem Schwärmen kann man Tuten (Altkönigin) und Quäken (Jungköniginnen in den Zellen) hören
  • Ab 10.30 Uhr am Morgen kann man mit dem Abgang des Schwarmes rechnen

 

Maßnahmen zur Schwarmverhinderung

Wer seine Völker durch Schröpfmaßnahmen am Schwärmen hindern will, muss dies bis zum Zeitpunkt der ersten Rapswoche getan haben. Keine Angst! Sie schröpfen sich damit nicht den Honigertrag aus dem Raps weg, denn die Bienen aus den Brutwaben die sie entnehmen müssen erst einmal schlüpfen, zwei Wochen Innendienst verrichten und sich dann noch einfliegen. Diese Bienen kommen zum Sammeln zu spät, der Raps ist zu diesem Zeitpunkt bereits im Abblühen begriffen oder schon verblüht. Kann oder will man nicht mehr erweitern muss geschröpft werden. Ich schröpfe bei polierten Spielnäpfchen ein bis drei besetzte, verdeckelte Brutwaben, mit ansitzenden Bienen, ohne Königin, aus den betreffenden Völkern. Die entstandenen Lücken werden zusammen geschoben und außen am Brutnest mit Mittelwänden aufgefüllt. Wer Schwierigkeiten hat, die Königin sicher zu finden, hat folgende Option: Die zu entnehmenden Brutwaben bienenfrei machen und über das Absperrgitter in den Honigraum hängen. Nach dem Wiederbesiedeln können diese ohne Königin und Drohnen entnommen werden und in den Sammelbrutableger wandern. Mit den Schröpfwaben aus allen Völkern bilde ich einen oder mehrere Sammelbrutableger. Eine Zarge voll Schröpfwaben inklusive zwei Futterwaben bildet die Ausstattung.

Königinnenzucht integrieren

Eine Stunde nach Bildung, fängt der Sammelbrutableger an zu Brausen, ein sicheres Zeichen (Weisellosigkeit), dass die Königinnen in den Wirtschaftsvölkern geblieben sind. Nach neun Tagen breche ich alle wilden Nachschaffungszellen aus und gebe einen Zuchtrahmen – Im Umlarven Ungeübte können auch Zellstreifen mit jungen Larven geben - nach weiteren zehn Tagen sind die Zuchtzellen erntereif. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen die Zellen zu verarbeiten: Ich löse hierzu den Sammelbrutableger komplett in Begattungseinheiten auf. Ein bis zwei Brutwaben mit ansitzenden Pflegebienen, plus eine Zelle plus eine Futterwabe (alternativ: Futterteig) bilden eine Begattungseinheit. Die gebildeten Einheiten kommen zur Standbegattung auf einen separaten Jungvolkplatz in mindestens 2 km Entfernung, so behalten sie ihre Flugbienen und ihre Stärke. Zwei Wochen später (je nach Witterungsverlauf Anfang/Mitte Juni) wird auf Eilage kontrolliert und mit 15% Milchsäure (im Sprühverfahren) gegen die Milben behandelt. Der Sammelbrutableger ist ein unkompliziertes Multitalent und hat viele Vorteile: 1. es verhindert das Schwärmen der Wirtschaftsvölker 2. es werden den Wirtschaftsvölkern Varroen entzogen, die im Ableger, ohne Honigbelastung, eliminiert werden können 3. junge Königinnen und Ableger liefert er zur Bestandserneuerung und garantiert den Erfolg in der nächstjährigen Saison. Schröpfen wir, hat die Maßnahme Erfolg, beruhigt sich die Situation zusehends am Baurahmen und an den Spielnäpfchen: Es wird wieder in einer Linie gebaut, die Näpfchen sind stumpf und es erscheinen keine neuen mehr. Mittelwände im Brutnest werden wieder zu Waben ausgebaut und bestiftet. Die Völker lagern nicht mehr vor und fliegen wieder fleißig. Mit der Beschreibung der Schwarmverhinderung und der Verwertung von Sammelbrutablegern habe ich schon den Juni Monatsbetrachtungen vorgegriffen. Manchmal entwickeln sich die Völker bei gutem Wetter explosionsartig und dann läuft nicht alles nach Fahrplan. Im Juni werde ich noch über die Zwischenablegerbildung und den Demarée-Plan (Brutdistanzierung) berichten, sowie das Ernten und Bearbeiten des Honigs.

Viel Spaß mit Ihren Bienen wünscht

Ihr Fachberater Guido Eich

Bienenzuchtberater

LAVES Bieneninstitut Celle, Postfach 3949, 26029 Oldenburg

 

 

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